Wetterstation am Netz

FEUCHTWANGEN (hm) – Die Kreuzgangstadt ist jetzt Teil eines wichtigen Gitternetzes von Wetterstationen im Bereich des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Gestern wurde eine neue vollautomatische Station östlich der Ameisenbrücke auf einer Höhe von 526 Metern über dem Meeresspiegel an das Datennetz angeschlossen. Alle gemessenen Daten laufen zunächst an die Zentrale nach Offenbach. 

 

Mark Zeiß und Bernhard Hefele sind im technischen Außendienst im Auftrag des DWD unterwegs und legten gestern letzte Hand an den zahlreichen Messgeräten an, welche sich auf einem rund 1200 Quadratmeter großen Grundstück auf einem Hochplateau zwischen den Stadtteilen Heilbronn, Lichtenau, Metzlesberg und der Ameisenbrücke befinden. Ab den Mittagsstunden gingen erste Wetterdaten in der automatischen Messdatenerfassungsanlage (AMDA) in der auf dem Grundstück aufgestellten Betreuungshütte ein. 

Wie die beiden Techniker mitteilten, werden die unterschiedlichsten Daten über die Fühler an den Sensoren aufgenommen und über Leitungen an das Teilautomatische Synoptische System (TASS) in der Wetterhütte geführt, wo die Messwerte mit Hilfe eines einheitlichen europäischen Schlüssel-Codes umgewandelt und über eine Telefonleitung direkt an die Zentrale des DWD nach Offenbach weitergeschickt werden. 

Ähnliche Stationen sind in der Vergangenheit im Freistaat Bayern schon in Garmisch-Partenkirchen, München, Zwiesel, Wunsiedel, Waldmünchen, Coburg, Chieming oder unlängst auch in Dingolfing in Betrieb genommen worden. Die zahlreichen hochtechnisierten Sensoren und Messgeräte zeichnen laufend verschiedene Parameter der Wetterbeobachtung auf, weshalb die Instrumente in der Stationshütte auch ständig in Betrieb bleiben. 

Mittels eines sechs Meter hohen Mastes werden dabei die Sonnenscheindauer wie auch die verschiedenen Strahlungen aufgezeichnet. Dabei unterscheiden die Meteorologen zwischen der Direkt-, der Global- oder auch der diffusen Strahlung. Der Sonnenschein als solcher beginnt ab einer Energieleistung von 120 Watt/m². Bei der Sichtweitenmessung wird von einem Gerät Licht ausgestrahlt und wiederum gemessen, wie viel Licht davon wieder zurückkommt. 

Bei einer Sichtweite unter 1000 Metern sprechen die Meteorologen von Nebel; ansonsten von Dunst oder auch klarem Wetter. Durch unterschiedliche Niederschlagsmessgeräte werden nicht nur Menge und Art, sondern auch die Dauer des jeweiligen Niederschlages aufgezeichnet. Damit die hochsensiblen Sensoren bei Frostwetter nicht einfrieren, sind bei allen wichtigen Geräten kleine Heizungen eingebaut, die eine reibungslose Datenerfassung garantieren. 

Technisch noch nicht gänzlich ausgereift scheint die Messung der Schneehöhen mittels Ultraschall, auch weil bei Schneeverwehungen keine einheitliche Schneedecke vorhanden ist. Über einen rund zehn Meter hohen Windmast sammeln die Geräte auch Aufzeichnungen über die Windgeschwindigkeit in Metern pro Sekunde sowie über die Windrichtung im 360-Grad-Winkel. 

Sehr aufwändig sind die angebrachten Instrumente für die Temperaturmessung, welche die Wärme oder auch Kälte sowohl zwei Meter und fünf Zentimeter über dem Erdboden wie auch in einer Bodentiefe von 5, 10, 20, 50 und 100 Zentimetern messen. Auch erfolgt in zwei Meter Höhe eine ständige Messung der Luftfeuchtigkeit. Ein sehr aufwändiges und auch teures Gerät bestimmt mittels Lasertechnik die jeweils vorhandenen Wolkenuntergrenzen. 

Gewitter werden von der Station allerdings nicht registriert. 

Eine weiße genormte Wetterhütte aus Holz mit Lamellenseiten – wie diese bisher bei der Wetterbeobachtung in aller Welt üblich waren – findet man jetzt bei diesen neuartigen vollautomatischen Stationen nicht mehr. Dafür ist auf dem Gelände eine kleine Stationshütte angebracht, in welcher wichtige Instrumente und Rechner untergebracht sind. Diese Hütte ist auch mit einer Heizung und mehreren Lüftungseinrichtungen ausgestattet. 

Im Inneren der Hütte in einer Höhe von etwa 80 Zentimetern wird zudem noch der Luftdruck gemessen und einheitlich auf den Druck auf Meereshöhe umgerechnet. Angebracht werden muss bis zum kommenden Winter noch ein genormtes Holzbrett mit weißer Farbe, um die Schneehöhenmessung korrekt durchführen zu können. Ein Stationsbetreuer muss sich regelmäßig von dem einwandfreien Arbeiten der Geräte überzeugen und sich um den Grasschnitt im Sommer und die Schneeräumung im Winter kümmern. 

Genaue Angaben über die Kosten für die Einrichtung der Station können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gemacht werden. Die in Feuchtwangen aufgenommen Daten werden in der DWD-Zentrale zu verschiedenen Produkten verarbeitet und dann bestimmten Kunden zur Verfügung gestellt. Ob diese Daten im Internet für Jedermann zugänglich gemacht werden, muss aber noch abgewartet werden.

Manfred Brodeßer