Witterung an den VdA-Stationen im Mai 2010
Der Mai 2010 war zu kalt (im Mittel um -1,5 K), meist deutlich zu nass (168 %) und außergewöhnlich sonnenscheinarm (54 %).
Am wärmsten war es in der Südhälfte. Dort gab es die höchsten monatlichen Temperaturmittel (Frankfurt-Bornheim 13,5°C, Groß-Rohrheim 13,0°C, Offenbach-Bürgel 12,9°C). Die tiefsten Monatsmittel hatte die noch immer sehr kühle Nord- und Ostseeküste sowie das höhere Bergland zu verzeichnen (Schobüll 9,6°C, Kall/Eifel 9,5°C; Bitz/Schwäbische Alb 8,1°C, Bitz-Degerfeld 7,0°C).
Im Vergleich zum langjährigen Mittel gab es fast ausschließlich negative Abweichungen mit einem Gefälle von Süd nach Nordwest: Während in Oberbayern am Inn der Mai-Normalwert gerade erreicht wurde (Simbach +0,1 K) und sich an den VdA-Stationen Mitterdarching -0,1 K, in Frabertsham -0,3 K und in Külbingen -0,5 K die Abweichungen noch in Grenzen hielten, verzeichnete die Region zwischen Münsterland und Niederrhein mit Anomalien nahe -2,5 K die größten Werte (Bocholt und Legden -2,3 K). Auch östlich von Weser und Elbe wurden örtlich noch Abweichungen von mehr als -2 K erreicht (Jessen/Elster -2,2 K). Bei allen übrigen Stationen, die im Mai Abweichungen von teils deutlich unter ‑2,5 K (oder über 0 K) gemeldet haben, ist entweder deren Messreihe nicht ausreichend homogen oder ihnen liegt bei der Berechnung eine andere Normalperiode als die international noch gültige (1961-1990) zugrunde.
Die absoluten Höchsttemperaturen traten meist um oder nach Pfingsten auf. Die höchsten Maxima verzeichneten die Stationen Frankfurt-Bornheim und Groß-Rohrheim (28,8°C), Kiedrich (28,7 °C) und Offenbach-Bürgel (28,4°C). An höher gelegenen Stationen und an der Ostseeküste wurde in diesem Monat nicht einmal die 20-Grad-Marke überschritten (Juliusruh/Rügen 19,1°C, Zenting-Daxstein/Bayerischer Wald 19,7°C). Besonders in Ostdeutschland lag das Maximum in diesem Mai verbreitet tiefer als im März!
Während im April noch an rund zwei Dritteln der VdA-Stationen Sommertage registriert wurden, war dies im Mai nur noch an knapp der Hälfte der Stationen der Fall. Hierbei waren die Regionen im Süden und Westen entlang des Rheins bevorteilt (Frankfurt-Bornheim 4 Sommertage). Auch kam es besonders im Norden und in der Mitte selbst teils im Flachland noch zu Nachtfrost. Die Anzahl der Frosttage betrug meist 1, in ungünstigen Lagen aber auch mehr (Kall/Eifel 2, Fronhausen/Lahn 3, Bitz-Degerfeld 9 Frosttage).
Die absoluten Minima wurden häufig am 05. gemessen. Am tiefsten sank das Quecksilber in Bitz-Degerfeld (-3,4°C), gefolgt von Schobüll (-2,1°C) und Fronhausen/Lahn (-1,6°C). Als tiefste Temperatur am Erdboden registrierte die Messstelle in Fronhausen -6,3 Grad Celsius an dem späten Datum des 29.
Das Mittel der relativen Luftfeuchtigkeit der VdA-Stationen lag mit 79,5 Prozent für diese Jahreszeit ungewöhnlich hoch.
Nach dem trockenen April gab es auch reichliche Niederschläge. Östlich von Deutschland lag im Monatsmittel ein sich immer wieder regenerierendes Tiefdruckgebiet, welches mit wiederholtem Stark- und Dauerregen das Hochwasser an der Oder verursachte. Die höchsten Monatsmengen konnten an den Stationen Wolfach (184,9 mm), Neunkirchen (190,4 mm) und Zenting-Daxstein (196,7 mm) gemessen werden. Fast eine ebenso hohe Menge wie in den Alpen fiel eng begrenzt an der mittleren Elbe (Magdeburg 192,9 mm), was dort für Mai einen mehr als 230-jährigen Rekord bedeutete. Die geringsten Mengen traten hingegen wiederum im Norden und Nordwesten auf: in Bocholt (47,2 mm), Oelde und Reinstorf (49,8 mm) sowie in Legden (54,8 mm) errechneten sich die kleinsten Monatssummen; die Inseln Norderney und Helgoland waren mit 31 bzw. 33 mm gar die trockensten Ecken von ganz Deutschland. Dies spiegelt sich auch in der prozentualen Bilanz wider: An der Nordsee sowie in Nordwestdeutschland blieb es etwas zu trocken (Bocholt 77 %, Reinstorf 84 %, Legden 87 %). In Süd- und Ostdeutschland wurden dagegen die größten Relativwerte verzeichnet (Hohenwulsch 257 %, Juliusruh/Rügen 262 %, Bismark/Altmark 291 %), wobei der Schwerpunkt im nördlichen und mittleren Sachsen-Anhalt lag. Magdeburg meldete unglaubliche 414 %!
Die Anzahl der Tage mit messbarem Niederschlag lag deutlich über der Norm: zwischen 13 (Horneburg) bzw. 14 (Legden und Köln-Weiß) und 27 (München-Harthof) bzw. 29 (Mitterdarching) Regentage waren deutliches Kennzeichen eines größtenteils sehr unfreundlichen Wonnemonats. Den höchsten Tagesniederschlag konnte die Station Bismark in der Altmark am 11. mit 48,1 mm vermelden – dies war gleichzeitig der höchste Wert von ganz Deutschland. Nur eine einzige VdA-Station, nämlich Reinstorf, verzeichnete in diesem Monat keinen Starkniederschlagstag > 10,0 mm.
Obwohl man im Mai statistisch mit die meisten Sonnenstunden im Jahr erwartet, war Sonne im diesjährigen „Wonnemonat“ vor allem nach Osten und Süden hin absolute Mangelware. Die drei Negativ-Spitzenreiter Olbernhau/Erzgebirge (71 h), Doberlug-Kirchhain (86 h) und Kiedrich (90 h) muteten eher spätherbstlich als mittfrühlingshaft an. In den Hochlagen von Erzgebirge und Bayerischem Wald ergaben sich teils sogar Monatssummen von weniger als 65 Stunden (Großer Arber 61 h), das entspricht im Schnitt nicht einmal 2 Sonnenstunden pro Tag! Den Höchstwert der VdA-Stationen meldete Frankfurt-Sachsenhausen (143 h); die Sonnenscheinwerte von Berlin-Prenzlauer Berg und Salzwedel lagen unplausibel hoch. Monatssummern deutlich über 160 Stunden gab es einzig an der Nordsee (Norderney 242 h). Prozentual gesehen reichte die Spanne von 37 % (Olbernhau) bzw. 45 % (Kiedrich) bis 78 % (Wynigen/CH). Das Sonnenscheinsoll wurde lediglich auf den ostfriesischen Inseln erreicht (Norderney 107 %), nach Südosten hin war es hingegen mit gerade mal einem Drittel des Mai-Solls extrem trüb (Großer Arber 32 %). Insbesondere im Osten und Südosten Deutschlands wurde der trübste und sonnenscheinärmste Mai seit Beginn der Sonnenscheinmessungen vor ca. 120 Jahren registriert.
Die höchste Windspitze konnten die VdA-Stationen Bitz und Großen-Buseck mit 21,1 m/s messen. Das Mittel an Tagen mit Windspitzen über Beaufort 6 (windige Tage) lag um 4, Tage mit Windspitzen über Beaufort 8 (stürmische Tage) traten dagegen nur in einigen wenigen Gegenden auf. Den Höchstwert bei den windigen Tagen hatten die Station Reinstorf und Bitz mit 11, bei den stürmischen Tagen waren es Bitz und Großen-Buseck 3. Der auf NN reduzierte Luftdruck wies ein Gefälle von Westen nach Nordosten auf; im Mittel betrug er 1012,9 hPa. Einen merklich zu hohen Wert meldete die Station Merzenich, während die Barometer in Reinstorf, Neuenhagen, Berlin-Rahnsdorf und Horneburg um mehrere Einheiten zu niedrig stehen. Eine korrekte Messung und Reduktion auf den Meeresspiegel ist nicht nur für die aktuelle Wetterüberwachung zur Diagnose von Hochs und Tiefs, sondern auch für die Klimatologie das A und O.
Gewittertage gab es im Mai vielerorts etwas seltener als im langjährigen Durchschnitt zu erwarten sind. Die meisten erlebte man im Süden Bayerns, wo sowohl in Zenting-Daxstein als auch in München-Harthof an 7 Tagen Blitz und Donner beobachtet wurden.
Bemerkenswert waren die schweren Unwetter am Pfingstmontag (24.), wobei im südöstlichen Sachsen-Anhalt und im südlichen Brandenburg am frühen Nachmittag entlang einer von Westnordwest nach Südost orientierten Gewitterlinie mehrere äußerst kräftige Superzellen mit Hagel und eingebetteten Tornados entstanden, die allmählich in Richtung Süden weiterzogen und eine ungewöhnlich lange Schneise der Verwüstung hinterließen.
Jörg Wichmann, Berlin, im Juni 2010